Buchempfehlungen und mehr

Das Mieterlexikon

Bei Aktion Tonbandzeitung wurde das Mieterlexikon neu aufgelegt.

Mit zahlreichen Änderungen, neuen Gerichtsurteilen und einer neuen Gesetzeslage rund um Energiesparen und Heizkosten hat der Deutsche Mieterbund sein Mieterlexikon neu aufgelegt. Die ATZ hat nun kurzfristig alle Änderungen auch in die Daisy-Version aufgenommen, so dass Blinde und Sehbehinderte auch das Mieterlexikon 2009/10 wieder in einer kompletten navigierbaren Aufsprache erhalten können.

Die 32-Stunden-Daisy-CD ist zum Preis der Druckversion von 13 Euro erhältlich bei

Aktion Tonbandzeitung (ATZ) e.V. - Hörmedien für Sehbehinderte und Blinde, Telefon 05531/7153, E-Mail atz@blindenzeitung.de.

„Andere Augen“ von Gregor Strutz

Als Messeneuheit wurde ein Foto-Lese-Tast-Hhörbuch mit dem Titel »Andere Augen“ präsentiert. Es geht darin um das Leben zweier Freunde – einem blinden Lehrer und einem hochgradig sehbehinderten Milchbauern. Mit Fotografien, Blindenschrifttexten und ausführlichen les- wie hörbaren Interviews wird das Leben der beiden dargestellt sowie eine Brücke zwischen Sehenden und Blinden bzw. Sehbehinderten geschaffen.

Gemäß der Idee des universal designs, das Zugänglichkeit für möglichst viele Menschen fordert, setzt Initiator Gregor Strutz ein neuartiges Druckverfahren ein, das seine Bilderwelten für Sehbehinderte, Blinde und Sehende zugleich erlebbar macht. Nahe liegend der Gedanke, aber so konsequent ist er bisher selten umgesetzt worden. Nun ist es an uns, mit anderen Augen zu sehen. 

Bezugsquellen: direkt über www.andereaugen.de oder beim Verlag@dzb.de

Preis: 31,00 Euro zzgl. Versandkosten

„Verführung zu einem Blind Date“

Entdecke die farbenfrohe Vielfalt des Unsichtbaren!

Du wirst "sehen", Wir werden uns "blind" verstehen.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, was Ihnen als Betroffene der Bewältigung dienlich sein und für Sie als sehende Person zu mehr Verständnis gegenüber dem Nichtsehenden verhelfen könnte? Dann kann ich Ihnen das folgend beschriebene Hörbuch von Jennifer Sonntag nur wärmstens empfehlen.

„ »Ich bin blind und lade euch ein, die Welt mit meinen Augen zu sehen«, so Jennifer Sonntag zu Ihrem Buch »Verführung zu einem Blind Date«. Sie stellt sich mit ungewohnter Offenheit, klarer Definition und einer angenehm frechen Art zwischen die Wahrnehmungswelten der Sehenden und blinden Menschen. Der Journalist Dirk Rotzsch beschreibt die in ihrer Jugend erblindete Autorin und ihr Buch wie folgt: »Sie hat immer eine Frage mehr als Antworten. Sie möchte konventionelle Denkräume verlassen und unbekannte Sichtweisen erkunden – für sich und für andere. Jennifer Sonntag ist Sozialpädagogin, Ex-Punk, Grenzgängerin, Kämpferin, Model, Moderatorin und Autorin.«

die Verführung einschließlich Blind Date dauert bei ihr 640 Minuten und ist als DAISY-Buch bei der  Deutschen Zentralbücherei zu Leipzig (DZB), E-Mail: verlag@dzb.de,  erhältlich.

Die Kapitel in dem Hörbuch können auch in der Homepage der Autorin unter www.blindverstehen.de nachgelesen werden.

Mein Kommentar zu diesem Hörbuch: "Ich fühle mich in fast allen Bereichen durch meine eigenen Erfahrungen vollauf bestätigt. Die Sprecherin des Buches versteht es meisterhaft, uns das Gefühl zu vermitteln, als säße man wirklich der Autorin bei einem Plausch gegenüber.

Während das Buch „Aus dem Blick“ von Kari Lessir als Packender Roman den Lesern einen Einblick in eine partnerschaftliche Beziehung zwischen einem blinden Mann und einer sehenden Frau gewährt, versucht Jennifer Sonntag  in all den vonseiten der Betroffenen scheinbar unüberwindbaren Kernfragen zur Bewältigung beizusteuern.

Zudem ist es ihr hervorragend gelungen, mit ihren Beiträgen auch den „Guckis“ die Augen zu öffnen.

Es wäre darum sehr wünschenswert, dass gerade auch die „Sehenden“ sich die Zeit nehmen mögen, um zum besseren Verständnis in die Welt des Unsichtbaren zu tauchen. Das gilt nicht nur für die Angehörigen, Freunde und Bekannte. Auch Dienstleistende in allen Fachbereichen sind angesprochen; denn wir müssen zu unserem Leidwesen feststellen, dass man vielerorts noch immer als Menschen dritter Klasse behandelt wird."

Wir haben doch alles

Auf einer unserer Info-Veranstaltungen mit Hilfsmittelausstellung war auch eine jüngere Frau mit ihrer Mutter unter den Besuchern. Sie fragte mich, ob ihre Mutter an meinem Stand bleiben könne, da ihr das Herumlaufen zu anstrengend sei. Während die Tochter die anderen Stände aufsuchte, führte ich der alten Dame das Daisy-Abspielgerät PTN1 von Plextalk vor. Sie durfte das Gerät anschließend selbst ausprobieren. Liebevoll strich sie mit den Fingern über die Tasten und sagte leise, dass sie sehr wohl allein damit umgehen könne. Genau in diesem Moment kam die Tochter wieder hinzu und sagte mit hartem Unterton: „Das brauchen wir nicht. Wir haben alles. Du brauchst es uns nur zu sagen, wenn Du die Kassetten und CDs hören möchtest.“ Dann nahm sie die Mutter an der Hand und verließ eilends den Raum.

 Diese Begebenheit hat uns alle sehr betroffen gemacht.

„Das brauchen wir nicht. Wir haben alles.“ – Stimmt das wirklich? Sie können es sich denken: Hier fehlt etwas ganz Entscheidendes. Nein, wir meinen nichts Materielles oder Finanzielles. Dieser Frau fehlt vielmehr das Wichtigste in ihrem Leben, nämlich das Gefühl der Wärme und die damit verbundene wahre, fürsorgliche Liebe.

Allein schon der barsche Ton ließ erkennen, wer bei den beiden der Herr des Hauses war. Das konnte man auch der verschüchtert wirkenden Mutter anmerken.

Dieser Fall ist beileibe kein Einzelfall. Nur allzu oft erleben wir, wie Betroffene von ihren Angehörigen oder Partnern so gegängelt werden – vielleicht sogar mit Drohungen –, dass sie sich nicht zu wehren trauen. Dadurch verlieren die Betroffenen das letzte Stück Freiheit und Selbstständigkeit. Aber es sind nicht nur kaltherzige und gefühllose Mitmenschen, die Betroffene „behindern“. Es gibt unter uns auch Betroffene, die sich selbst von vornherein „querstellen“ und sich in der Rolle eines Paschas wohlfühlen.

Sowohl die Angehörigen bzw. Partner als auch die Betroffenen selbst sollten sich vor Augen halten: Wie soll es im Leben ohne Selbstständigkeit und dem damit verbundenen Selbstwertgefühl sowie Selbstvertrauen weitergehen, wenn die Betreuungsperson ausfällt?

Jeder hat die Möglichkeit mit seinem Leben zurechtzukommen. Vorausgesetzt natürlich, man akzeptiert seine Behinderung und ist willens, sich rechtzeitig neue Wege zu erarbeiten und sich auch in Zukunft jeder neuen Situation zu stellen.

Wir Betroffenen, die sich mit der Bewältigung der Behinderung voll auseinandergesetzt haben und die Gegebenheiten akzeptiert haben, gehen mit ganz anderen Augen durchs Leben als Sehende. Wir Betroffenen begegnen unserer Welt überwiegend mit dem Gefühl der inneren Wahrnehmung. Sehende aber hetzen mit offenen Augen blindlings durch die Gegend …

Mit einem treffenden Zitat von Antoine de Saint-Exupéry, „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ möchte ich Ihnen das Buch „Aus dem Blick“ von Kari Lessir ans Herz legen.  Ebenso sind die beiden Berichte „Auf der Suche nach dem Sinn“ und „Die Tücken der Erwartungen“ von Manfred Knoke  durchaus erwähnenswert. S. Rubrik „Buchempfehlung“

HYPNO-SYNCHRON - Magische Phantasiereisen mit hypnotischen Sprachmustern

von Lutz Mehlhorn

Hypno-Synchron  -  was ist das? Hier  eine Zusammenfassung über die wichtigsten Merkmale dieser neuartigen Methode – entnommen aus dem Begleitheftchen der CD:

  • Das Hypno-Synchron-Verfahren verknüpft wichtige Erkenntnisse der Hypnotherapie, der Tiefenpsychologie und der modernen Gehirnforschung. Die Kassetten erlauben Ihnen, auf Ihre ganz individuelle Weise Lösungsmöglichkeiten zu entschlüsseln, die Ihr Unterbewusstsein bereithält.
  • Insbesondere basiert das Hypno-Synchron-Verfahren auf der hypnotherapeutischen Arbeit Milton Eriksons, der die Methode der indirekten Suggestionen und therapeutischen Metaphern zu einer hohen therapeutischen Kunst entwickelte. Die Geschichten, die in einem bestimmten Rhythmus erzählt werden, und die darin eingestreuten Symbole regen in hohem Maße die individuelle Kreativität an – neue Sichtweisen, meues Erleben und neues Verhalten werden gefördert.
  • Bei der Entwicklung der therapeutischen Geschichten wutden Erkenntnisse des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) verarbeitet; Sprache wird als Mittel zur Veränderung von Wahrnehmung eingesetzt.
  • Für eine gesteigerte Wirksamkeit sorgt die Doppelinduktion. Viele aufeinander abgestimmte Botschaften finden über verschiedene Kanäle, von verschiedenen Seiten ihren Weg ins Unterbewusstsein.
  • Die eingesetzten Hemi-Sync-Signale, die unterhalb der bewusssten Wahrnehmungsschwelle angesiedelt sind, haben eine Harmonisierung der beiden Gehirnhälften zum Ziel. Mit Hilfe dieser Signale werden im Gehirn die für Tiefenentspannung und Aufnahmebereitschaft bedeutsamen Gehirnwellen im Alpha-, Theta- und Delta-Bereich angeregt – so kann eine Reise durch schöne und heilsame Bewusstseinszustände angetreten werden.
  • Die Aufnahme in Kunstkopf-Stereophonien gewährleistet einen natürlichen, dreidimensionalen Klang. Er macht ein vollkommenes Eintauchen möglich und lässt das „Sich-Fallenlassen“ zu einem rundum angenehmen Erlebnis werden. “

Diese Ausführungen kann ich aufgrund meiner eigenen Erfahrung nur bestätigen! Das Verfahren ist wirklich gefahrlos anwendbar, es sind keine unterschwelligen Botschaften enthalten, die unser Leben  und/oder das Leben anderer gefährden könnten. Diese Anwendung ist absolut seriös - das wurde mir von zwei unabhängigen anerkannten Psychotherapeuten bestätigt.

Ich selbst habe vor Jahren die ersten beiden Themen angewendet – war total begeistert von der Wirksamkeit!

Bei all den herkömmlichen Entspannungstechniken konnte und kann ich mich einfach nicht fallen lassen. Bei dieser Methode jedoch schaffe ich es mit Leichtigkeit!

Folgende Hypno-Synchron - Programme sind erhältlich:

1. „Angst in Gelassenheit transformieren“ ISBN 3-89767-250-2

2. „Positive Problemlösung“ ISBN 3-89767-246-4

3. „Zwischenmenschliche Beziehungen lebendig gestalten“ ISBN 3-89767-247-2

4. „Stärkung der inneren Heilkräfte“ ISBN 3-89767-249-9

5. „Die Schule des Selbst-bewusst- seins“ ISBN 3-89767-248-0

Alle zusammen auch erhältlich als Multibox:

„HYPNO-SYNCHRON“ Magische Phantasiereisen - Mit hypnotischen Sprachmustern“ ISBN 3-89767-244-8

Hinweis: Dieses Verfahren kann nicht in einer Gruppe durchgeführt werden. Ebenso ist ein Kopieren der CD nicht möglich, da die durch die spezielle Aufnahme-Technik erzeugte Wirksamkeit der Therapie verloren geht!

-Hannelore Freitag-

Aus dem Blick

Starke Literatur mit Gefühl  von Kari Lessir

Kurzbeschreibung: Gibt es Männer, die keine Blechdosen sind, innen hohl und von aussen nett anzuschauen? Nina, Anfang 30, glaubt nicht recht daran, bis sie Jan kennenlernt. Er ist humorvoll, ein guter Gesprächspartner und  sieht auch noch gut aus. Ein Traummann, wenn da nicht ein kleiner Haken wäre, der es ihr schwer macht, sich auf ihn einzulassen: Jan ist blind.

Eine Geschichte über die er bindenden Kraft der Liebe.

Der Autor Kari Lessir schreibt über sein Buch: Das Buch erzählt die Geschichte von einer toughen Anzeigenverkäuferin und einem blinden Callcenter-Agent. Spannend und filnisch-geschnittene Szenen sorgen für eine gute Portion Nervenkitzel , neben romantischen und erotischen Momenten. Die Geschichte wird von Dialogen und Humor getragen.Sie ist mit Absicht kein „Mitleids-Roman“, sondern möchte Mut machen, aufeinander zuzugehen.

Dieses Buch ist im Taschenbuch– oder  Daisy-Format erhältlich bei:

www.aiki-medien.de  oder direkt: ira.krissel@aiki-medien.de 

Preis: 9,90 Euro + 3,00 Euro Versandkosten.

Der Eremit - Gespräche am Rande des Meeres

von Silvino Alves da Silva Meto

"Von allen Geheimnissen, die uns während des Lebens begegnen, ist unser Leben nicht das geheimnisvollste?"

Ein junger Mann trifft am Meer einen alten Weisen. In langen Gesprächen entsteht eine tiefe Freundschaft mit eigenem Rhythmus. Sie sprechen über die Einsamkeit, das Glück, Liebe und Hass,Bescheidenheit und Stolz,Phantasie und Realität,Mut und Angst. Der Eremit läßt den Jungen an seiner Sicht , seinen Gefühlen, seinen Erkenntnissen teilhaben und lehrt ihm, seinem Unbewussten zu vertrauen. Dem Jungen offenbart sich in dem scheinbar schlichtem "Ich bin, der ich bin" des Alten eine neue Sicht auf die Welt und das eigene Leben.

Silvino Alves da Silva Neto ist Psychiater. Der Eremit entstand aus dem Wunsch, andere an den Gedanken seiner Meditationen teilhaben zu lassen.

Das Buch erschien bei Patmos ISBN 3-491-45019- 5

Als Hörbuch: CD 3-491-91109-5

Auf der Suche nach Sinn

eine Betrachtung aus existenzanalytischer und logotherapeutischer Sicht

von Manfred Knoke

1. Der Mensch als Sinnsuchender

Mit dem Thema Sinn greifen wir unmittelbar an die Wurzeln menschlicher Existenz.  Nach dem Sinn des Lebens zu fragen, ist ein Kennzeichen des Menschen. Er fragt nach dem Warum, Wozu, Weshalb. Die Sinnfrage wird besonders dann drängend, wenn der Mensch in eine Krise gerät, zum Beispiel durch eine fortschreitende Erblindung. Er muß sich ständig neu orientieren, um sich seiner veränderten Wirklichkeit anzupassen. Warum ist die Frage nach dem Sinn des Lebens für uns Menschen so wichtig? Eine Antwort auf die Sinnfrage fand Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse  (1905-1998). Er entwickelte die Logotherapie, die sogenannte Sinnlehre. Frankl blickte zurück auf die Existenzphilosophie (Jaspers, Heidegger, Kierkegard) und fand die anthropologischen Ideen, die seine Psychotherapie begründeten.

Existenzanalytische Aspekte

Existenzanalyse will den Menschen auf der Suche nach seinem ganz individuellen Sinn des Lebens begleiten und dort, wo er nicht zum existenziellen Leben kommen kann, die Blockaden aufspüren. Existenz ist kein objektiver Tatbestand, sondern ein Prozeß. Existenziell leben heißt, den Versuch zu wagen in Freiheit und Verantwortung selbstbestimmt zu leben. Es ist ein Unterschied, ob ich "Ja" zum Leben sage, oder ob ich es provisorisch oder konjunktivistisch lebe, zum Beispiel warten auf Heilbringendes in der Forschung. Das Leben fordert aber heraus, das eigentliche "Hier und Jetzt" zu leben, sonst vertagen wir das Leben. 

Die Antwort auf die Fragen des Lebens verlangen Entscheidungen, entweder für oder gegen etwas, was gelebt werden will. Dazu Jaspers: "Menschliches Sein ist entscheidendes Sein." Wo der Mensch nicht entscheidet, kommt er nicht ins existenzielle Leben.

Existenzanalyse bedeutet Analyse der Bedingungen für ein wertvolles, selbstgestaltetes und menschenwürdiges Leben. Die Existenzanalyse arbeitet an den individuellen Voraussetzungen für eine sinnvolle Existenz, vor allem wenn diese verschüttet sind durch seelische Beeinträchtigungen und Störungen.

Logotherapeutische Aspekte

Die Logotherapie begleitet den Menschen bei der Entscheidungsfindung. Sie ist eine sinnzentrierte Beratungs- und Behandlungsmethode. Dies gilt vor allem für Menschen, die ihre Orientierung verloren haben und den Sinn ihres Lebens nicht mehr entdecken können.

Ziel der Logotherapie ist die Bewußtmachung und Intensivierung der individuell gelebten Sinnfülle durch die Hinführung zu einer frei gewählten Verantwortung. Vor allem die Stärkung der personalen Fähigkeiten ist hier angezeigt. Dazu Frankl: "Menschsein heißt daher auch immer, ein Anderer werden zu können." Die Veränderung kann einmal in der Person selbst, zum anderen um sie  herum geschehen. Wir existieren, indem wir auf die Fragen des Lebens antworten. Diese Antworten sind ständig neu zu formulieren, weil sich auch das Leben und damit die Fragen des Lebens ständig verändern. 

In der Existenzanalyse und Logotherapie wird der Mensch nicht als Ergebnis innerpsychischer Prozesse oder umweltlicher Einflüsse allein angesehen (siehe Freud und Adler), sondern als ein Wesen, das sich in dem, was im Leben zählt, selbst gestalten kann. Zum Beispiel weitestgehender Erhalt der Selbständigkeit und Selbstbestimmung, der Mobilität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Neben der Fähigkeit, sich beeindrucken zu lassen, muß der Mensch bereit sein, seine Sicherungsinstanzen (Vorstellungen, Erwartungen, Überzeugungen, Einstellungen usw. siehe auch "Die Tücke der Erwartungen" in Ra 3/05) in Frage zu stellen, um die für ihn bedeutungsvollsten Antworten zu finden.  Dies setzt ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Eigenverantwortung voraus. Fremdbestimmung schließt Sinnerleben aus.

2. Bedeutung und Bestimmung von Sinn

Frankl hat vor allem auf die Kraft hingewiesen, die Sinn im Menschen mobilisieren kann. Er sagt dazu sinngemäß: 'Wer einen Sinn im Leben hat, erträgt fast jedes Leid.' Das heißt, die Frage nach Sinn ist ein Grund für Hoffnung, ist Schutz gegen Verzweiflung und Motivation zum Durchhalten. Nach dem Sinn zu fragen, heißt daher auch, es mit der Freiheit des Menschen ernst zu meinen.

Frei sein für etwas ist die Voraussetzung für Sinnerleben.  Die Sinnfrage ist ein Spiegel menschlicher Kreativität und Beziehungsfähigkeit. Es bedarf der Beziehung, damit eine Tätigkeit als sinnvoll erlebt werden kann, zum Beispiel lebt die ehrenamtliche Arbeit in Selbsthilfegruppen von der Kraft der Beziehungen mit anderen Mitbetroffenen.

Sinnvolle Lebensgestaltung

Zur sinnvollen Lebensgestaltung gehört, daß der Mensch sich seiner Sinnzusammenhänge immer wieder bewußt wird, sie immer wieder neu spürt. Seminare, Wochenenden und andere Besinnungspausen sind dafür sehr wichtig. Was aber ist zu tun, wenn der Mensch sich in keinem Zusammenhang erlebt? Wenn er nicht spürt, wofür und für wen er etwas tun soll. Eine Hilfe kann sein, sich zu überlegen, wie es wäre, wenn die Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden? Sinnvoll werden Hausarbeit oder berufliche Tätigkeit erst dann, wenn sie für ihn selbst oder für jemanden getan werden, für den man es tun mag. Erst aus der Verbundenheit entsteht Sinnhaftigkeit.

Wenn ein Mensch sich längere Zeit in Sinnlosigkeit gefangen fühlt, ist es an der Zeit, etwas zu verändern. Aus den Konsequenzen wird erspürbar, wie das eigene Leben weiter gehen soll.  Sinnvoll ist es aber auch, wenn der Mensch seine Beziehung zu sich selbst leben kann oder Beziehungen zu anderen Menschen, zu Tieren, zur Natur oder zu Ideen usw. entwickeln kann. Wichtig für eine sinnvolle Lebensgestaltung ist es in jedem Fall, daß der Mensch sich in einem Zusammenhang versteht.  Einem anderen Menschen eine Freude zu machen heißt, selbst an der Freude teilzuhaben. Wenn der Mensch sich nicht mitfreuen kann, ist die Sinnhaftigkeit nicht erlebt.

Gewiß gibt es für jeden Menschen Routinebereiche, die zur Bewältigung des täglichen Lebens gehören. Das Leben besteht in weiten Teilen auch aus unspektakulären Besorgungen, die nicht oder wenig  Sinngehalte vermitteln.

Gespür für das Sinnvolle

Nicht für jeden Menschen ist Sinn ein Thema, das ihm bewußt ist. Wer von Sinn erfüllt ist, dem stellt sich die Frage nicht. Allerdings ist jeder Mensch mit einem intuitiven Gespür für das Sinnvolle ausgestattet. Selbst Kinder weigern sich Dinge zu tun, die in ihren Augen sinnlos sind. Sie verlangen Erklärungen, die ihnen den Sinn verständlich machen sollen.  Was Sinn ist, ist immer offen, solange der Mensch lebt. Er allein weiß um die Endlichkeit seines Lebens, deshalb drängt sich ihm die Frage nach dem Sinn auf.

3. Sinn durch Wertverwirklichung

Nach Frankl ist der Mensch ein wertstrebiges Wesen. Er strebt nach Werten, die ihn anziehen und indem er sie verwirklicht, erlebt er Sinn. Um ein sinnvolles Leben zu erreichen, ist zunächst die Abstimmung mit der eigenen Wirklichkeit erforderlich. Wenn der Mensch sich der Wahrheit stellt, baut er an seiner Existenz und nicht an einer Illusion. Dazu sagt Frankl: "Sinn ist eine Möglichkeit vor dem Hintergrund der Wirklichkeit." Diese Wirklichkeit ändert sich im Laufe des Lebens und bei einer fortschreitenden Erblindung umso mehr.Damit der Mensch ins existenzielle Leben kommen kann, braucht er drei Grundvoraussetzungen.

Drei personale Grundvoraussetzungen

Als erste Grundvoraussetzung benötigt er ausreichend Schutz, Halt, Verläßlichkeit, Sicherheit und Raum. Der Mensch muß das Gefühl haben, in der Welt sein zu können. Wenn dies erfüllt ist, kann Urvertrauen entstehen, sich auf die Welt einzulassen.  Kann ein Mensch diese Erfahrungen nicht machen, kann eine starke Verunsicherung entstehen.

Die zweite Grundvoraussetzung ist im Erleben einer emotionalen Beziehung zu sehen. Nur durch die Beziehungsaufnahme erlebt der Mensch das Leben. Nur durch Zuwendung wird das Leben fühlbar. Es entsteht das Gefühl "ich mag leben". Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, entstehen Vitalitätsverluste und depressive Verstimmungen.  Der Mensch fühlt sich wertlos und lustlos.

Die dritte Grundvoraussetzung  für existenzielles Leben  ist gegeben, wenn der Mensch so sein darf wie er in seiner Originalität und Einmaligkeit ist.  Gelingt es ihm nicht er selbst zu sein und Selbstwert zu entwickeln, entstehen innere Einsamkeit und Verlassenheit, die besonders belastend sind, wenn der Mensch nicht zu sich selbst steht, wenn der blinde oder von Erblindung bedrohte Mensch sich nicht mit dem weißen Stock zeigen mag.

Der Wille zum Sinn

Erst wenn diese Grundvoraussetzungen erfüllt sind, kann sich der Wille zum Sinn (nach Frankl) entfalten. Sind diese Grundvoraussetzungen blockiert, ist biographische, psychotherapeutische Arbeit erforderlich. Neben  Dasein-können, Leben-mögen, Selbstsein-dürfen ist die entscheidende vierte Bedingung für ein erfülltes Leben, daß wir einen Sinn im Leben finden. Das heißt, um mit voller Hingabe leben zu können, muß der Mensch sich mit seinem Erleben und Handeln in einen wertvollen Zusammenhang sehen. Es muß sich lohnen, Werte zu finden und vielleicht einen mangelhaften Selbstwert zu erkennen und am eigenen Wohlbefinden zu arbeiten. Menschliches Dasein ist eng mit einem Bindungsbedürfnis verbunden, das zu einem begegnendem, toleranten und respektierenden Lebensstil führt.

Drei Wege zum Sinn

In Bezug auf Sinnerfüllung durch Wertverwirklichung spricht Frankl von drei Wertkategorien, die für jeden Menschen von grundlegender und allgemeiner Bedeutung sind. Es sind die Erlebniswerte, die schöpferischen Werte und die Einstellungswerte. Unter den Erlebniswerten wird das Erleben der Welt (ästhetische Werte, Liebe, Kunst, Beziehungen usw.) verstanden. Unter den schöpferischen Werten als Weg zur Sinnerfüllung wird die aktive Gestaltung der Welt (Arbeit, Beruf, Hobbys, Freizeit usw.) gesehen.

Die Einstellungswerte sind die sogenannten menschlichen Reifewerte, die in der Auseinandersetzung mit dem Leben (Tod, Schuld, Leid) errungen werden. Der Einstellungswert ist identisch mit der Akzeptanz oder der inneren Zustimmung zum Leben nach einem Schicksalsschlag. Erst wenn die Verunsicherung und die Trauer über den verlorenen Wert sich gelegt haben, und es gelungen ist, den verlorenen Wert loszulassen, kann der Einstellungswert durch die Aktivierung des Willens zum Sinn wieder neue Sinnmöglichkeiten erschließen. Der Mensch spürt nun wieder die Spannung zwischen Sein und Sollen, zwischen dem was ist, und dem, was noch werden soll. Die Spannung bleibt solange erhalten, wie die Beschäftigung mit dem Wert andauert.

Die sogenannten traditionellen, gesellschaftlichen  Werte (Erziehung, Bildung, Integration von gesellschaftlichen Randgruppen, Zuverlässigkeit, Fleiß, Pflicht, Verantwortung usw.) sind in diesem Zusammenhang nicht gemeint. Sie bilden den gesellschaftlichen Hintergrund, denn  im Vordergrund stehen  in dieser Betrachtung die individuellen personalen Werte. Jeder Mensch entwickelt dabei nur Gespür für seine ganz individuellen Werte, die ihn anziehen. Mit der Entscheidung für eine Wertverwirklichung übernimmt der Mensch die Verantwortung für sein Handeln. Dies setzt Anstrengungsbereitschaft und Einsatz voraus. Der Lohn ist ein erfülltes und glückliches Leben. Die innere Zustimmung  zur neuen Realität vermittelt den Betroffenen die Offenheit für eine neue Lebensperspektive.

Mit der Entscheidung für einen individuellen Wert entstehen auch Ängste dahingehend, die falsche Entscheidung zu treffen oder getroffen zu haben. Auch die Hinwendung zu neuen Sinngehalten  kann Unsicherheiten und Rückzugsgefühle vermitteln. Will der Mensch sinnvoll und erfüllt leben, muß er offen bleiben und seine Ängste überwinden, damit er ins Handeln kommen kann. Wer das nicht schafft, bleibt inaktiv, lebt inexistenziell und ist abhängig von der Entscheidung anderer Menschen.

Die Tücke der Erwartungen

Eine Betrachtung aus existenzanalytischer und logotherapeutischer Sicht

von Manfred Knoke

Vorbemerkungen: Erwartungen sind psychologisch gesehen Einstellungen des Menschen, die sich auf mehr oder weniger klare Zielvorstellungen beziehen. Es ist eine vorstellungsmäßige Vorwegnahme von Ereignissen, von be­stimmten Denk- und Handlungszielen, die in der Zukunft liegen. Erwartungen sind eine Art Schwebezustand, der das Verhalten und Erleben bestimmt. Erwartungen sind vorwegnehmende Reaktionen auf Handlungen, die erwartet, gewollt, gewünscht, erhofft oder vermutet werden. Ist ein Mensch ausgeglichen und zufrieden, offen und glücklich, selbstbestimmt lebend, sind seine Erwartungen geringer, die Erwartungsspannung auf ein Minimum reduziert.

In meinen telefonischen psycho-sozialen Beratungen und in meinen Seminaren nehmen die Enttäuschungen über nicht erfüllte Erwartungen an Partner, Angehörige, Freunde und Bekannte einen breiten Raum ein. In der Erwartung mache ich mir die Welt so, wie ich   sie gern hätte. Die Welt  ist jedoch wie sie ist und richtet sich nicht nach meiner Erwartung. Die Enttäuschung ist also vorprogrammiert.  In der Erwartung mache ich mir die Welt ein Stück sicherer und beruhige dadurch meine Verunsicherung und Angst. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, den alle Menschen kennen, verstärkt wird dies   durch den Erblindungsprozeß. Besonders tragisch wird es dann, wenn so "schleichend"  wie die langsame Erblindung ganz unmerklich eine Haltung entsteht, die durch  Erwartungen an das soziale Umfeld einsam macht. Wir können durch Selbstkontrolle vorbeugen. Wie das geschehen kann, will ich im Folgenden erläutern.

Erwartungen mit hoher Erfolgsquote

Unter bestimmten Voraussetzungen können Erwartungen sehr hilfreich sein.Zum Beispiel ist die Erfüllung von Erwartungen gewährleistet in Versprechen, Verabredungen, Absprachen, Vereinbarungen, Verträgen, wenn sie auf gleicher Augenhöhe stattfinden.

Die "Vertragspartner" können erwarten, dass die eingegangenen Verbindlichkeiten erfüllt  werden. Ohne solche Regelungen ist das Leben nicht denkbar, sie verschaffen uns ein Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit.  Enttäuschungen halten sich bei solchen Regelungen in Grenzen.

Erwartungen mit hoher Enttäuschungsquote

Fast vorprogrammiert ist die Enttäuschung, wenn zu einer Stehparty eingeladen wird und ich mich mit der Erwartung auf den Weg mache, "die wissen ja, daß ich nicht gut sehen kann, die werden mir gleich ein Glas bringen und mich einbeziehen in ihren Gesprächskreis". Mit dieser Erwartung  bekämpfe ich nur meine Angst und habe mir dabei die Welt etwas sicherer gemacht. Leider werden solche Erwartungen selten so ablaufen, wie ich es gern hätte. Wie kann ich nun aus der erwartenden, einengenden und abhängigen Position herauskommen?

In meinen Seminaren versuche ich, den Erblindungsprozeß so aufzuarbeiten, daß wir   aufeinander aufbauend die einzelnen Phasen des Erblindungsprozesses  - Abschied -Trauer - Loslassen - Akzeptanz  bearbeiten und dann die Teilnehmer/-innen wieder öffnen für die Anfragen des Lebens, auf die wir zu antworten haben. In jeder Situation fragt mich das Leben und ich habe zu antworten. Um neue Sinnmöglichkeiten zu entdecken, muß ich aktiv werden und ins Handeln kommen. Die innere Einstellung für den Partybesuch heißt jetzt: „Mal sehen, wie ich mich in das Partygeschehen einklinken kann und wie meine Antwort auf die Anfrage dieser Situation ausfällt.“ Meine Ausstrahlung ist nun auch für die anderen anziehender, als wenn ich da am Rande mit einem langen Gesicht in erwartender Position stehe.

Die Erwartungen und unsere Erwartungshaltung werden im Rahmen des Themas über Angst bearbeitet. Durch den schleichenden

Prozeß der Erblindung erleiden wir ständig Kompetenzverluste, die uns verunsichern und Angst machen und unseren Selbstwert schmälern. Wenn wir da nicht frühzeitig gegensteuern, zum Beispiel sich bewusst machen, dass Erwartungshaltungen uns in eine Opferrolle drängen, weil Erwartetes nicht geliefert wurde. Eine freiwillig und gern gegebene Hilfeleistung ist etwas Wunderbares, aber mit einer Erwartung oder gar Einforderung der Hilfe nehme ich dem Helfer die Freiheit, so zu handeln wie er es gern getan hätte. Denn nun spürt er die Verpflichtung und aus dem Helfen-wollen wird ein Helfen-müssen und der Rückzug ist vorprogrammiert. Der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bleibt uns oft verborgen, daher ist es wichtig, daß wir uns die Auswirkungen von Erwartungen bewußt machen.

Erwartungen engen ein

Erwartungen machen den Menschen einsam, klein und abhängig. Außerdem haben wir alle permanent die Tendenz, aus jeder Erfahrung eine Vorstellung und schließlich auch eine Erwartung zu entwickeln. Diese Vorstellungen und Erfahrungen helfen uns, das Leben zu strukturieren und einschätzbarer zu machen. Wenn ich zum Beispiel eine Reise mit einem Reiseführer vorbereite, dann entsteht von dem Reiseland bereits eine Vorstellung und damit auch eine bestimmte Erwartung. Das Wichtige ist hierbei aber nicht, daß wir Erwartungen haben oder nicht, sondern daß Erwartungen nur meine Vorstellungen in den Vordergrund bringen. Die Erwartungen reduzieren das, was ist auf das, was in der Erwartung erwartet wird. Das ist die Enge der Erwartung. Ich muß deshalb dieser Tendenz der Erwartung nicht auf den Leim gehen und versuchen, offen für jede Situation zu bleiben.  Zum Beispiel erfüllt die  Verfilmung eines Romans oft genug nicht die eigenen Vorstellungen.  Es kostet Mühe, Erwartungen loszulassen und offen für die

Ideen des Drehbuchautors und des Regisseurs zu bleiben. Die eigenen Erwartungen sind bereits fixiert, so dass sich eine Enttäuschung einstellen kann.

Erwartungen in Erziehung und Bildung

In meinen Seminaren werden gehäuft  Beispiele eingebracht aus Erziehung, Schule und anderen  Bildungseinrichtungen. Die Erwartungen vor allem an Kinder und Jugendliche beruhen auf ungleichen, hierarchischen Strukturen. In den seltensten Fällen kann in diesem Beziehungsprozeß von Partnerschaft und Gleichberechtigung ausgegangen werden. Hohe Erwartungen an Kinder, Jugendliche,  Lehrer und Ausbilder sind kontraproduktiv. Gerade in Zeiten von "Pisa" fördert die verunsicherte Bildungspolitik den Druck auf alle Beteiligten. Die Untersuchungen zeigen deutlich, dass   Druck und Erwartungen die Qualität des Lehr- und Lernverhaltens mindern. Ändern können wir das nur, wenn Sicherheit, Geborgenheit, Teamgeist, Gespräche und vor allem Begegnungsmöglichkeiten auf vielfältigen Ebenen angeboten werden.

Personale Kompetenz und nicht  defizitorientiertes Arbeiten sollten unseren Lehr- und Lernalltag bestimmen. Wünschenswert wäre ein Schulsystem, in dem alle zusammen lernen und dabei individuell gefördert werden. Die Erwartungen von Eltern an ihre Kinder führen zu einem Erwartungsdruck, weil Leistung, Erfolg und Aufstieg im Mittelpunkt stehen und nicht das Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten.

Wie lähmend sich hohe Erwartungen im Sport, zum Beispiel an eine Fußballmannschaft auswirken können, haben wir schon bei einer Übertragung eines Spiels am  Fernseher miterlebt.

Erwartungen an Partnerschaft und Liebe

Auch in der Zweierbeziehung kann die Erwartung zu großen Problemen führen, denn beide Partner müssen  sich selbst  kennen und vertreten können. Kenne ich bereits mein Ich und kann ich dazu stehen?  Nehme ich mich wichtig oder übergehe ich mich oft? Wenn ich nicht die Beziehung zu mir selbst aufrecht halten kann, bin ich nicht in der Lage, mich offen auf den Partner einzulassen und gehe in der Beziehung verloren.

Kann ich nicht zu mir in Beziehung stehen, wird das Defizit dadurch ausgefüllt, indem der Partner benutzt wird. Ein Gefühl von Abhängigkeit entsteht. Es wird unerträglich, wenn Vorstellungen und Erwartungen nicht erfüllt werden, weil der Partner  sein Eigenes lebt.  Begegnungen finden in einer solchen Beziehung kaum statt. Begegnung kann nur da stattfinden, wo kein Hindernis ist, keine Forderung, keine Erwartung, kein Zwang, kein Zweck. Begegnung ist immer unmittelbar und gegenseitig, orientiert sich an individuellen Fähigkeiten und nicht an Defiziten. 

Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft für den Partner wird oft mit Liebe verwechselt. Wenn beide diese Einstellung haben, heißt das für die Liebe, daß beide sich aufgegeben haben. Dies gilt ebenso, wenn beide der Erwartung des Partners entsprechen wollen, d.h. vorauseilenden Gehorsam üben und seine eigenen Bedürfnisse nicht zu formulieren und darauf hoffen, daß der andere sie zufällig entdeckt. Auf diese Weise selbstlos zu lieben heißt, sich selbst nicht zu lieben. Es gibt keine Begegnung und bald stellt sich ein mieses Gefühl ein, daß irgendetwas nicht stimmt. Der liebende Dialog braucht Mut, Mut für sich selbst und Mut für die Begegnung mit dem Anderen. Liebe lebt von der Begegnung, das bedeutet weit mehr als eine Beziehung pflegen. Liebe hat auch viel zu tun mit den ursprünglichen Beziehungserfahrungen zu Vater und Mutter und oftmals weniger mit dem Lebenspartner selbst. Dies zu unterscheiden bedeutet, dass jedes Paar die Balance finden muß zwischen Selbst und Gemeinsamkeit. In der Liebe gibt es kein Recht auf einander, weil die Liebe ein freiwilliges Geschenk ist. Es ist als Geschenk des Anderen zu betrachten und man sollte dankbar dafür sein. Wer diese Freiheit achtet und diesem Geschenk Dankbarkeit zollt, vertieft die Liebe.

Fazit

In den vorangegangenen Ausführungen über die Tücke der Erwartungen habe ich deutlich zu machen versucht, wie  wir uns fixieren und abhängig machen  von den Erwartungen und nicht offen bleiben für die Situation und damit authentisch, aktiv und handelnd das Leben gestalten.  Wer im Rahmen seiner sich entsprechend dem fortschreitenden Erblindungsprozeß  ständig verändernden Wirklichkeit versucht sinnvoll und erfüllt zu leben, ist nicht nur zufriedener und glücklicher,  sondern er verliert sich auch weniger in Erwartungen und erspart sich damit auch viele Enttäuschungen. Weil Erwartungen jedoch zum Leben gehören, ist es hilfreich, wenn  wir uns immer wieder bewußt werden, was Erwartungen mit uns selbst  und mit denen machen, die unsere Erwartungen spüren.

Manfred Knoke, Telefon 0471 8 66 81, email: Manfred.Knoke.BHV@t-online.de

Gedicht:

Erich Fried

Erwartungen

Von Gedichten erwartet man,
was man von einer Frau,
mit der man intim ist, erwartet,
nämlich daß es nicht immer
nur das wird, was man erwartet,
und daß man beim Erkennen
noch manchmal erkennt,
daß es nicht genügt,
wenn man wartet und etwas erwartet,
sondern daß man, wenn man von einem Gedicht oder
einer Frau, mit der man intim ist,
oder von anderen Dingen,
zum Beispiel von einem
Sonnenuntergang oder vom Leben
nur einfach etwas erwartet,
eine falsche Erwartung hat.

Irka, ein Hundeleben zwischen Familie, Freizeit und Beruf

von Martin Nolte

Erinnerungen einer Blindenführhündin

Der Autor schreibt hierzu: „Eigentlich sind wir eine ganz normale Familie mit Kindern und Hund. Aber damit fängt ja alles schon an. Irka, so hieß unsere Blindenführhündin, hat im Januar 2005 beschlossen, ihre Memoiren zu diktieren. Dass daraus mehr als nur eine Kurzgeschichte würde, glaubte damals niemand. …

"Irka, ein Hundeleben zwischen Familie, Freizeit und Beruf - Erinnerungen einer Blindenführhündin“ ist seit Anfang September 2006 unter der ISBN-Nr. 3-00-019160-7 zum Preis von 14,95 Euro als CD im MP3-Format im Buchhandel oder direkt beim Selbstverlag:

Martin Nolte
Immanuel-Kant-Str. 4
31812 Bad Pyrmont
E-Mail: martin.walter.nolte@gmx.de

zu beziehen. 

"Immer mehr Hörerinnen und Hörer trugen den Wunsch nach Fotos von den im Buch vorkommenden Menschen, aber insbesondere nach Bildern von Irka an uns heran. So entschlossen wir uns, auch ein Taschenbuch mit 16seitigem Bildblock zu verlegen.             

Wenige Stunden, nachdem wir die Freigabe zum Druck erteilten, erhielten wir eine Nachricht, von der wir nicht wussten, wie sie unser Dasein in Zukunft beeinflussen wird.

Nach kurzer schwerer Krankheit mussten wir Irka aus unserem Leben gehen lassen. Ihr, die uns allen auf Ihre Weise immer wieder Trost und Freude bereitet hat, haben wir damit ein langes qualvolles Leiden erspart. In unseren Herzen ist Trauer um sie, aber auch Dankbarkeit für die Zeit, die Irka mit uns verbracht hat. Dadurch, dass ich ihre Erinnerungen aufschreiben durfte, wird sie einen Platz in den Gedanken vieler Menschen finden, und das hat sie, meine ich jedenfalls, verdient."

Seit Dezember 2006 kann man unter dem o. g. Titel und der ISBN 978-3-00-021704-3 auch die Taschenbuchausgabe zum Preis von 15,90 Euro im einschlägigen Fachhandel kaufen.

Von jedem verkauften Exemplar führen wir 2,50 Euro an die Fachgruppe Taubblinde und Hör- Sehgeschädigte im Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e. V. mit Sitz in Dortmund ab. Die auf diese weise gespendeten Gelder werden für die Durchführung von Internetkursen für diesen Personenkreis verwendet. Einer der Teilnehmer an einer solchen  Maßnahme schrieb sinngemäß an seinen Landesverein:

Was für Blinde die Erfindung der Punktschrift durch Louis Braille bedeutete, ist für mich die Kommunikation mit Hilfe des Internet. Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich mit anderen Menschen Kontakte haben, ohne ihnen erzählen zu müssen, dass ich blind bin, nicht hören und mich deshalb nur ganz schwer verständigen kann. Für mich ist das als würde mir mit Hilfe der Technik ein Tor zur Welt geöffnet.

Wie wahr die Feststellung des Kursteilnehmers ist, konnten wir als Gäste der diesjährigen Reha-Woche im Aurazentrum Bad Meinberg erleben, die wir aus den Verkäufen unseres Hör- und Taschenbuches mit insgesamt 2100,00 Euro sponsern konnten.    

Noch im Vergangenen Jahr hätten weder meine Frau noch ich daran geglaubt, dass wir mit unserem Produkt durch’s Land reisen, und so gar zwei Mal auf Helgoland, unserer Lieblingsinsel, lesen würden. Wo immer wir über das, was wir tun und die Arbeit die wir fördern berichten, treffen wir auf offene Ohren, Herzen und große Hilfsbereitschaft. Das macht uns Freude und stärkt unseren Willen einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, die Isolation von Menschen, die weder hören noch sehen können, ein wenig zu lockern.   

Dieser Text stammt aus dem Jahre 2007. Inzwischen haben wir für den o. g. Zweck bereits 3350 Euro bereit stellen können."